Selberpflücken

Dass große Konzerne alles tun, um ihren Gewinn zu vergrößern, ist allgemein bekannt. Dass sie im Käufer selbst ein Sparpotenzial gefunden haben, dagegen neu. Sie stellen die Kunden als Mitarbeiter ein, als unbezahlte, versteht sich. Nachdem sie im Supermarkt oder Möbelhaus ihren Dienst verrichtet haben, ihr also Einkaufswagen bis zum Rand mit Konsumgütern gefüllt ist, legen sie an der Kasse eine Sonderschicht ein, um die Artikel einzeln und gewissenhaft zu scannen und anschließend zu bezahlen. Für ungefähr zehn Minuten führen sie den Job einer Kassiererin aus, ohne Bezahlung zu fordern. Für den Arbeitgeber wie zum Beispiel IKEA kann es im Paradies nicht schöner sein. Zu Hause Rollenwechsel, die nächste Stunde wird als Monteur gearbeitet, die Holzteile, die ein Möbelstück ergeben werden, nehmen sie aus dem Karton und schrauben los. Unbezahlt natürlich. Im Burgerladen sind sie Bedienung, im Gemüseladen Kleinhändler.

Und sie fühlen sich sehr gut dabei. Niemand denkt an die paar Cent, die er sich durch den eigenen Einsatz spart, weil der Verkäufer Lohnkosten reduzieren kann. Man tut es einfach, und es macht sogar ein bisschen Spaß. Bestes Beispiel ist das Selberpflücken von Erdbeeren. Ob das billiger ist, als im Supermarkt die fertige Packung zu kaufen? Schwer zu sagen, auf jeden Fall macht es Spaß über das Feld zu laufen, sich zu überlegen, wo wohl die besten Erdbeeren versteckt sind, und dann eine Strategie, um sie auf einer Route zu sammeln. Man redet dabei, und tauscht sich mit anderen Sammlern aus. So kann eine Stunde vergehen, und man bemerkt es nicht einmal. Und Marmelade aus selbstgepflückten Erdbeeren schmeckt einfach viel besser, oder?

Was wäre wohl, wenn sich dieses Prinzip noch weiter ausbreitet? Dann hätten wir hunderte Nebenjobs in Tätigkeiten, die, einen ganzen Tag lang ausgeführt (wie das Scannen an der Supermarktkasse), frustrierend sind. Und bestimmt eine Menge Spaß.