Fitness

Juni 2010/1

Als sich Fitness Center von den Großstädten bis in die hintersten Provinzstädtchen ausgebreiteten, hatten die hellen Zeitgenossen das Geschäftsmodell schon längst durchschaut. Die monatlichen Beiträge, über Jahre vertraglich verbindlich fixiert, waren als Art Abgabe an das Gute Gewissen zu sehen. Wer eine Mitgliedskarte im Geldbeutel wusste, trank leichter eine Halbe in der Kneipe. Oder aß Chips zum Fernsehabend, denn man könnte sie jederzeit wieder abtrainieren, wenn man wollte. Doch das scheint sich geändert zu haben. Wenn man sich im Frühling so unter den Gleichaltrigen umschaut, dann fällt auf: Die Leute zahlen nicht nur den Mitgliedsbeitrag, nein, die gehen da auch wirklich hin. Nachdem Frauen alle möglichen ungewollten Ecken am eigenen Körper schleifen lassen können, sind jetzt auch die Männer dran. Zwar bleibt ihnen der Gang unters Messer erspart, dafür nicht das schweißtreibende Training. Doch wenn sich die Brustmuskeln unter dem T-Shirt abzeichnen erfreut die Gewissheit, dass man sie nicht geschenkt bekommen hat. Und Sport macht sowieso ein gutes Gefühl. Das haben die Männer wahrscheinlich der Emanzipation zu verdanken. Wenn die Frauen alle besser aussehen, müssen die Männer nachziehen, um bei den gestiegenen Erwartungen mithalten zu können. Und so läuft es bei den Fitness Centern wie bei Facebook: Irgendwann werden wir alle Mitglied sein.