Fotografie

Wenn ich so durch die Fußgängerzonen laufe und in die Elektromärkte blicke, habe ich das Gefühl, dass das Interesse an Fotografie immer weiter zunimmt. Großen Spiegelreflexkameras wird immer mehr und prominenterer Platz eingeräumt, und das bestimmt nicht, um zu missionieren – die Dinger werden gekauft.

Das Interesse ist da, das Geld ist es auch. Die Zeiten sind vorüber, in denen man für jedes geschossene Foto in die Tasche greifen musste. An einem durchschnittlichen Computer kann man Effekte simulieren, für die früher eine teure Ausstattung notwendig war. Die Schattenseite ist wohl das nicht artgerechte Leben der Abertausenden von Fotos, die ein tristes Dasein auf dunklen Festplatten fristen, wo sie sich sinnlos im Kreis drehen. Doch auf der anderen Seite bringen nicht-professionelle Fotografen unglaubliche Bilder zustande. Die Grenze zu den Berufsfotografen verschwimmt, wenn sie nicht ganz verschwindet. Portale wie flickr quellen über von fantastischen Fotografien, dass man sich nur fragt, wer die denn alle würdigen soll. Bei diesen Anblicken beschäftigt mich, auch ganz persönlich, die Frage, warum nur so viele Menschen so viel Energie, Zeit und Herzblut in dieses Hobby stecken. Was ist dran, an der Fotografie, dass sie so fesselt?

Vor meinen Augen ziehen die Klischeebilder verschiedener Fotografengruppen vorüber. Der Technikfetischist, der Makroaufnahmen seiner Geranie oder den Kieselsteinen in der Einfahrt schießt, in stundenlanger Arbeit an Schärfe und Farben feilt, und so erstaunliche, aber auch sehr gefühlsarme Werke schafft. Der lässige Typ, der viele abgefahrene Menschen kennt und sie in ihrem verrückten Leben portraitiert, dass es einen den Neid ins Gesicht treibt. Und dann sieht man noch so viele Touristen mit dicken Kameras, die damit doch nur auf die altbekannten Sehenswürdigkeiten zielen und sich zu Hause vielleicht wünschen, doch ein paar Ansichtskarten des Eiffelturms gekauft zu haben, wo die Atmosphäre so gut rüberkommt. Und ein paar Selbstinszenierer, die sich jeden Tag in ein ausgefallenes Outfit werfen und einen tiefen Blick in die Kamera.

Auch ich fotografiere gerne, wenn auch bei weitem nicht so gut, wie ich gerne würde. In welche Gruppe würde ich mich einordnen? In keine natürlich, weil das doch nur ein wenig negative Klischees sind. Die Frage nach dem Reiz beantworten sie nicht. Für mich ist es die Herausforderung, ein technisch gelungenes Bild zu schießen. Aber das kann nur die eine Seite sein. Die andere ist, das eigene Leben toller festzuhalten, als ich es in diesem Moment der Aufnahme empfand, oder so toll, wie es im Rückblick manchmal erscheint. Soweit der Plan.