Fleisch

Gerade Männer prahlen gern mit der Vorliebe für Totes und gut schmeckt es da, wo die Schnitzel links und rechts vom Teller hängen. Bestimmt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das mit dem Jagdtrieb als Neandertaler zusammen hängt. Wie auch immer, mit Jagen hat der Fleischverzehr nicht mehr viel zu tun. Es liegt wehrlos  und sauber verpackt in den Supermarkttruhen, gleich neben dem Blattspinat. Es muss nur herausgenommen, einige Minuten in heißem Fett gewendet und verspeist werden. Es schmeckt dann, wenn nicht ordentlich gewürzt, nach nicht viel. Aber auch nicht schlecht. Bei Gemüse muss man sich schon mehr ins Zeug legen, damit es was her macht, geschmacklich.

In den harten Zeiten nach dem Börsencrash  ist die Lust nach Fleisch noch einmal gestiegen. Vor allem Steakhäuser wie das Grill Royal in Berlin, wo das Fleisch noch rot leuchtet, profitierten von der Krise. Magazine, die sich allein um die beste Zubereitung, den besten Grill gewidmet haben, verkauften sich. Bestimmt können Wissenschaftler auch darin Bezüge zur Steinzeit sehen.

Nach dieser Einleitung sollten nun die besten Argumente gegen den Fleischverzehr folgen. Und davon gibt es nicht wenige. Auch schockierende Zahlen und Fakten gibt es wie Sand am Meer. Die wollte ich zusammentragen, in einem Absatz verdichten. Doch zu dieser Zeit habe ich so viele Artikel in der SZ und der Zeit gesehen, dass ich nicht wusste, was ich noch beizutragen habe. Mir ist nur bewusst geworden, dass es eine der größten Verdrängungsleistungen des Menschen ist, trotzdem auf dem Fleischkonsum zu beharren. Denn, mal ehrlich, jeder halbwegs intelligente Mensch kann sich aus dem Kilopreis für Fleisch den Herstellungsprozess ausmalen. Doch das scheint ihm den Geschmack nicht zu verderben. Auch an mir selbst ist mir diese Meisterleistung aufgefallen.

Doch diese Leistung ist in Gefahr. Genau dieses Thema hat die Qualitätsjournalisten im letzten Jahr sehr beschäftigt. In jedem Bereich, ob Feuiellton, Poltik oder Wirtschaft, wurde es beleuchtet. Ungefähr alle Kolummnisten haben es aufgegriffen, in ihrer Spalte gedreht und gewendet, und sind doch zu dem gleichen Ergebnis gekommen.

Und vielleicht ist gerade durch diese Artikel ein neuer Punkt erreicht. Menschen denken tatsächlich ernsthaft darüber nach, den Fleischkonsum zurückzufahren oder ganz einzustellen. Und das erstaunliche ist, dass man sie nicht für total verrückt erklärt. Beim Rauchen war der Verlauf ähnlich. Lange hat es gedauert  bis die vielen Studien zu einem Bewusstseinswandel geführt haben und sich niemand mehr dafür rechtfertigen musste, eben nicht zu rauchen. Nachdem Vegetarische Restaurants aus dem Boden sprießen, muss die vegetarische Küche die Kantinen der Unternehmen erreichen. Das erfordert so manche Nachhilfestunde. Und vegetarische Schnellkochgerichte für zu Hause müssen her. Dann wären wir einer fleischlosen Zukunft schon sehr sehr nahe.