flickr

Eigentlich macht es keinen Sinn, eine Internetseite zu bemitleiden. Dazu müsste die Seite ja eine Persönlichkeit sein, was sie nicht ist, obwohl Menschen dahinter stecken. Sie sind Dienstleister, und es überlebt, wer den Leuten den größten Nutzen bieten (oder erfolgreich vorgaukeln kann). So bringen frische Dienste die Etablierten ab und an in Bedrängnis (bevor sie von diesen aufgekauft werden, meistens zumindest). Trotzdem ist es schade, wenn eine Seite so viel mehr aus sich machen könnte. Weil oft so wenig nötig ist, es vielen Menschen einfacher zu machen. Wie bei flickr.

Für viele Fotografen, Amateure wie Profis, ist flickr immer noch die erste Adresse, um ein Portfolio ihrer Arbeiten zu präsentieren. Es richtet sich an Menschen, die eine Spiegelreflexkamera besitzen und damit Ergebnisse erzielen, die ihre eigenen Erwartungen erfüllen. Doch es ist fraglich, wie lange sie diese Stellung noch halten können.

Bei den Gestaltungsmöglichkeiten des Layouts könnten Nutzer sich eingeschränkt fühlen – viel Variation ist nicht möglich – und tumblr ausprobieren. Denn dort sind der Kreativität deutlich weniger Grenzen gesetzt. Was nicht zwangsläufig besser ist – bei einem einheitlichen Aufbau ist sofortige Orientierung möglich, was für Nutzer auch sehr entspannend sein kann. Doch von der Coolness her kann das Layout bei Acid Fool (oben) auf keinen Fall mit ihren Fotos mithalten. Sonic Island sieht gut aus, und „Our Choice“ macht es ähnlich. flickr könnte es ähnlich machen und Freiheiten bei der Bild- und Schriftgrößen, Farben, Schriftarten bei einem einheitlichen Seitenaufbau erlauben.

Noch mehr Menschen als mit Spiegelreflexkamera sind  mit einer Handykamera unterwegs, und für die hat flickr leider nicht viel zu bieten. Dabei würde ich gerne mit meinem Handy Fotos schießen, sie vielleicht direkt ein wenig bearbeiten. Danach entscheide ich: Wer darf das Foto sehen, meine Familie und engsten Freunde/ meine Freunde & Follower/ oder alle? Und direkt hochgeladen und verbreiten. So etwas kann ich mir sehr nützlich vorstellen, vielleicht geht es anderen ähnlich.

Zusätzlich möchte ich meine Lieblingsfotografen abonnieren können, meine Freunde sowieso. Immer wenn ich das App starte, weil ich gerade auf die Tram warte, sehe ich alle Fotos, die in der Zwischenzeit entstanden sind. Ich wische mich durch, like, kommentiere. Aus meinen Abos schließend schlägt mir flickr noch mehr Fotos vor, die meinem Geschmack entsprechen könnten. Macht instagram das schon so? Muss ich mal checken.

Mit diesen Ideen und ein paar mehr wäre flickr wieder richtig cool dabei. Doch warum passiert es nicht? Vielleicht ist flickr einfach zu groß und träge und die begeisterten Geister sind längst frustriert ausgestiegen. Und arbeiten bereits an einem Dienst, der das alles besser macht?