Abonnieren und Liken

Es ist einfach zu viel. Die vielen Filme und Bands und Bücher und die ganzen anderen Sachen, die man sehen hören fühlen kann. Man muss aussortieren, es hilft nichts, denn für alles ist keine Zeit. Wobei schon das Sortieren so lange dauert, dass Hilfe gefragt ist.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich mich jedes Monat auf die wom gefreut habe, das kostenlose Musikmagazin, das ist nicht mehr gibt, von dem großen Musikfachgeschäft world of music, das es noch länger nicht mehr gibt (im Verhältnis zu meinem Alter). Da wurden alle neuen Alben vorgestellt und mit Sternen versehen, und wenn die Rezession und/ oder die Band sympathisch war, hab ich es mir mal angehört.

Ohne diesen Service wurde das Leben trist und grau. Alles anhören, was neu rauskommt, ist unmöglich, und auf Bandnamen setzen hilft nicht weiter, wenn diese ab dem zweiten Album alles vermasseln. Offensichtlich versuchte ich, einen deutlichen Kontrast zum zweiten Absatz aufzubauen, den ich nun mit einer Überleitung zur Überschrift nutzen möchte: Nach (ungefähr) 15 Jahren Internet hat sich nun die Lösung dieses Dilemmas herauskristallisiert – Abonnieren und Liken. Selbst wenn twitter und facebook wieder verschwunden sind, diese zwei Konzepte werden noch da sein. Und sie werden sich – hoffentlich – noch weiter entfalten. Im Moment kann ich Leuten auf twitter folgen, flickr fällt mir noch ein, und Blogs natürlich. In der Summe habe ich meinen individuellen Geschmack vielleicht recht gut abgedeckt und ich bekomme, vorsortiert, alles Neue vorserviert. Am liebsten würde ich alles Liken können, Leute, Bands, Homepages, und daraus alles Neue und Relevante in einen Stream gepumpt kriegen. Klingt sehr futuristisch, wie soll das funktionieren? Keine Ahnung.

Mein Stream- Reader würde mein Fenster zur Welt werden. Stefan Schmitt hat in seinem Artikel in der ZEIT am 22. Juni 2011 eine mögliche Konsequenz dieser Entwicklung aufgezeigt.  Eine sehr erschreckende, wie ich finde. Über unsere Interessen wird nicht nur die Werbung am Internetseitenrand ausgewählt, auch die Ergebnisse einer Suche könnten vorsortiert werden. Dann bekomme ich zu einem politischen Thema Artikel empfohlen, die meiner Meinung und der meiner Freunde entspricht. Diese Bestätigung könnte mich erfreuen, meinen Horizont aber kaum erweitern, weil ich nicht auch die andere Sicht auf die Dinge mitbekomme. Was könnte die Lösung sein? Der Nutzer muss entscheiden könnten, ob er die ungefilterte, oder die gefilterten Ergebnisse vorgesetzt bekommen möchte. Doch ich möchte, neben der Lesebrille, unbedingt auch die lässige Sonnenbrille!