Move Eat Learn

Ich kann nicht anders. Wenn ganz viele Leute das Gleiche ganz toll finden, dann nehme ich unterbewusst automatisch eine Gegenhaltung ein, als internes Gegengewicht. Ungefähr alle Blogs, die ich lese, haben in den letzten zwei Tagen dieses Video (und die anderen beiden Teile) empfohlen:

Und ja, weil 1,2 Millionen Klicks in 24 Stunden nicht genug sind, hab ich es jetzt auch noch mal gepostet. Zuerst fand ich die Videos ganz cool, und sie sind wirklich gut gemacht, vor allem das Obige, das nicht ganz so schnell geschnitten ist wie die anderen beiden. Die Kamera muss richtig gut sein, so scharf wie das Bild ist, so kräftig wie die Farben sind (die Software taugt bestimmt auch was). Und wie jeder andere Zuschauer wahrscheinlich auch, wollte ich lieber heute als morgen den Rucksack packen. Nachdem ungefähr viele genau diese Gedanken geschildert haben, musste ich noch einmal kurz darüber nachdenken. Und danach fand ich es irgendwie nicht mehr so cool. Es ist nicht verwunderlich, dass diese Videos so gut ankommen, denn sie entsprechen genau dem Traum der jungen Menschen. Nämlich in kurzer Zeit ganz viel rum kommen, viele Leute treffen, vieles erleben, und davon noch ein cooles (Kurz-) Video machen. Und viele Leben diesen Traum, zumindest für ein paar Wochen, und fliegen von einem exotischen Land zum nächsten. Und so ist es viel exotischer geworden, drei Wochen Urlaub im Schwarzwald zu machen (nicht dass ich darauf Lust hätte). Und dabei vermischen sich die ganzen Länder, wie in dem Video, wo man jedes Land genau eine Sekunde lang sieht, und eigentlich gar nichts davon wahrnimmt, weil es nur um die Summe geht. Genau so wie sich die Speisen auf den Tellern vermischen, zwei halbe Gerichte zu einem Durcheinander, das schwer im Magen liegt. Und man nach Hause zurückkehrt und immer noch nicht Gitarre spielen kann, weil es dafür mehr braucht, als eine halbe Stunde Unterricht.

Und da meldet sich mein „Ich“ zu Wort, und sagt mir,  ich soll das nicht so ernst nehmen, weil es doch nur ein schönes Video ist, nett anzusehen, und vielleicht den ein oder anderen dazu bringt, (hoffentlich nicht nur) Pläne zu schmieden. Und wir sollten raus in die Welt fliegen und sie anschauen, dabei aber entspannt bleiben und nicht diesen Druck fühlen, den solche Videos ausüben können.