Zwischen Freizeitfachmann und Hobbygeneralist

Ich saß gerade beim Frühstück in meinem Café, als ein Mann zur Tür herein kam und einen Stapel Magazine zurückließ. Das schicke Magazin hatte nur einen Zweck: Das Programm der Red Bull Music Academy bekannt zu machen. So erfuhr ich davon.

Am Sonntag fanden in der Nähe meiner Wohnung, genauer gesagt in der Casa Encendida, Workshops der Music Academy statt. Weil es nicht weit war, schaute ich mal vorbei und blieb bei Podiumsgesprächen hängen. Bei dem einen ging es um Improvisation im Jazz, vorgetragen von einem alten enthusiastischen Mann. Bei dem anderen saß Benji B auf dem Sofa (rechts), dessen Namen ich noch nie gehört hatte.

Vor allem der zwei Vortrag hat mich mitgerissen. Benji B erzählte von seiner Jugend, die er hauptsächlich in den Londoner Underground Clubs verbrachte, die in den Neunzigern Jungle spielten, eine Art Drum-and-Bass. Da war er vierzehn. Er ging nicht wegen dem Alkohol oder zum Feiern dort hin, sondern wegen der Musik. Ich bin noch auf der Suche nach einem Club, der mir unbekannte Musik spielt, die mich wirklich umhaut. Und Benji B hatte diese Clubs gefunden. Er beschloss zu dieser Zeit, entweder Fotograf oder DJ zu werden und entschied sich für die Musik. Er eignete sich ein großes Wissen mit entsprechender Plattensammlung an und konnte einen Radiosender überzeugen, ihm seine eigene Show zu geben, und darin seine aktuellen Lieblingslieder zu spielen. Da war er sechzehn.

Ein Schluss aus der Geschichte: Wenn man in einer Sache richtig gut werden will, muss man sich spezialisieren, und vor allem: Früh damit anfangen. Da bereute ich, das bisher noch nicht getan zu haben und stattdessen zwar in die verschiedensten Gebiete hinein zu schnuppern, aber nach den ersten genommenen Hürden, die eigentlich die schwersten sind, die Richtung zu wechseln. Nun, für Spezialisierung ist es schon bald zu spät. Ich kann nur hoffen, dass mich mein Hobbygeneralistentum genauso weit bringt.

Um noch einmal auf die beiden Unternehmen zurückzukommen: Caja Madrid und Red Bull.Caja ist eigentlich nur ein anderer Begriff für Bank mit dem Unterschied, dass sie, um in den Genuss von Steuervergünstigungen zu kommen, soziale Projekte unterstützen muss. Bei Caja Madrid ist es eben die Casa Encendida. Dort gibt es kostenlose Ausstellungen und viele Sprach-, Kunst- und Computerkurse, eine gute Sache.

Red Bull ist eh die verrückteste Marke der Welt. Es ist schon eine Selbstverständlichkeit, dass alles mit der Vorsilbe Extrem von ihnen finanziert wird. Was mich mal interessieren würde: Zahlt sich das wirklich aus? Kaufen die Leute das Getränk, weil sie das Unternehmen so cool finden? Ich finde es gut, wenn Unternehmen manchen Menschen ein total verrücktes Leben ermöglichen (alles natürlich Profis in ihrem Gebiet, die sich seit jungen Jahren darauf spezialisiert hatten), wenn sie im Gegenzug Videos davon bekommen. Wer soll denn sonst das ganze kranke Zeug durchziehen? Ich schwöre: Wenn mir das Getränk schmecken würde, ich würde Red Bull genau deswegen kaufen. Nur tut es das nicht, und so wird nichts daraus.