Das Ende des Wachstums

Bedingt durch die zunehmende Dringlichkeit wird immer öfter über Alternativen zum Wachstum als oberstes Ziel unserer Gesellschaft nachgedacht. Bisher wurde das Wachstum der Wirtschaft als Allheilmittel gegen Arbeitslosigkeit, Schulden und soziale Ungerechtigkeit gesehen. Das Kalkül war, dass Wachstum immer mehr Menschen ein festes Einkommen ermöglicht, die Rückzahlung der Staatsschulden erleichtert und zu der Lebenszufriedenheit verhilft, die der stetige Aufstieg gibt.

Der kontinuierliche Aufbrauch unserer Ressourcen und dessen kostspielige Folgen der Umweltkatastrophen zwingt uns auf kurz oder lang zum Umdenken. Eine Alternative zum Wachstum muss her. Wachstum als Ziel bedeutet für den Einzelnen das ständige Ersetzen und Bereichern des Haushaltsbestands, also ganz explizit auch durch Dinge, die weder gebraucht werden, noch lange halten. Vorschläge, die ich bisher las, forderten deshalb naheliegender Weise das Gegenteil von Konsum: Verzicht. Auf elektronische Helfer, Reisen, Plastik. Das ist weder angenehm, noch vermittelbar.

Laut Wikipedia gibt das Bruttoinlandsprodukt den Gesamtwert aller Güter (Waren und Dienstleistungen) an, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden und dem Endverbrauch dienen.

Bisher soll die Steigerung des BIP ausschließlich durch eine Erhöhung der Produktionsmenge erreicht werden. Ich dachte mir, dass man auch an der zweiten Komponente ansetzen könnte – dem Preis. Würde dieser steigen, wäre das Wachstum des BIP gesichert. Dies ließe sich erreichen, indem der Staat eine verpflichtende Garantiedauer von vier Jahren einführt, und zwar für alle produzierten Gegenständer. Zugegeben, das wäre ein merkwürdiges Unterfangen, wenn ein zweiter Effekt nicht so zielkongruent wäre: Die Qualität der Produkte nimmt zu, ihre Haltbarkeit auch. Das würde zu einem geringeren Bedarf von Ressourcen führen, ebenfalls wünschenswert.

Eine weitere Folge wäre, dass der Handel von gebrauchten Gegenständen erblühen könnte, denn die Reparatur zahlt sich wieder aus: Es gäbe Werkstätten für funktionsuntüchtige Schuhe und Haushaltsgeräte. Das kostet zwar den Unternehmen Absatz, aus Sicht des BIPs ist das aber kein Nachteil, denn auch Dienstleistungen sind einbezogen.

Ich las einmal, dass unsere Ausrichtung auf Wachstum ähnlich einem Flugzeug ist: Einmal gestartet, kann man nicht mehr so einfach die Bremse ziehen, schon allein deshalb, weil die Staatsverschuldung am Bruttoinlandsprodukt gemessen wird. Durch die Konzentration auf Qualität könnte das Flugzeug weiterfliegen, nur der Treibstoff wäre ein anderer. Und nebenbei wären wir von hochwertigsten Dingen umgeben, wäre das nicht toll?

In diesem Video wird die zerstörerische Wirkung unseres Lebens im Hamsterrad der Wachstumsverpflichtung beschrieben: