Wird Google gefährlich?

Im September 2011 fragte ich mich, ob facebook mit der Präsentation des neuen Profils, das  mit etwas Verspätung in Deutschland ankam und in den nächsten Wochen für alle Nutzer verpflichtend wird, gefährlich wird. Eher nicht, dachte ich, weil die Motivation, ein genaues und gleichzeitig übersichtliches Protokoll über das eigene Leben im Internet zu führen, für die meisten Menschen recht niedrig ist. Die Chronik wird im schlimmsten Fall zu einer Art Lebenslauf, der so durchgestylt ist, dass er wenig verrät. Auch eine Gegenreaktion ist vorstellbar, nämlich dass Privates immer seltener auf facebook preisgegeben wird. Ich halte ein wenig gepflegtes Profil als Zeichen für ein erstrebenswertes Selbstbewusstsein, vielleicht sehen das bald mehr Menschen so.

Heute stellt sich die selbe Frage für einen anderen Internetgiganten – Google. Sie taten kund, in Zukunft die Profile einer Person bei den unterschiedlichen Google Diensten zusammenzufahren. Auf diese Weise entsteht ein Profil von unglaublicher Genauigkeit, denn Google besitzt nicht nur die Informationen, wie man gerne wäre, sondern auch darüber, was man tatsächlich tut. Sie wissen nicht, für was ich mich gerne interessieren würde, sondern was ich tatsächlich suche und lese. Verhindert werden kann das durch konsequentes Ausloggen.

Ein Coup zur Datensammlerei ist Google mit Android gelungen, weil es Nutzern Googles Dienste wie den Kalender, Mail Account und Aufenthaltsort (des Smartphones) nahelegt. So kommt Google an die wertvollsten Informationen überhaupt. Manche Menschen behaupten, dass individualisierte Werbung sie nicht störe, ihm Gegenteil, sie sähen darin einen willkommenen Service des Hauses, erspart es ihnen doch die nervtötende Sucherei. Hr. Christakis sagte im Zeit Magazin vom 26.01.12 dazu: „Etwas sorge ich mich, dass immer gezieltere Werbebotschaften aus dem Netz die Gier der Menschen noch weiter verstärken.“ Vielleicht ist es ganz gut, nicht alle Produkte zu kennen, die gefallen könnten.

Microsoft verlangt von Hardwareproduzenten für die Nutzung ihres OS 25 Dollar. Da Android kostenlos ist, könnte man also sagen, dass Android Nutzer ihre Daten für 25 Euro zur Verfügung stellen. Auf der anderen Seite verdient Google an den Daten bereits 10 Dollar pro Jahr (pro verkauftes Smartphone), wohlgemerkt in einem Stadium, bei dem die Möglichkeiten der gezielten Werbebotschaften auf Smartphones bei weitem noch nicht ausgeschöpft werden.

Doch genau diese Personalisierung ist das Produkt, das Google seinen Kunden anbieten kann. Kunden sind nämlich nicht die Nutzer der Dienste, sondern Unternehmen, die für ihre Produkte werben wollen. Umso geringer die Streuung der Werbung, umso wertvoller ist sie. Dementsprechend unglaubwürdig ist es,  dass Google für „eine besser Interneterfahrung“ sorgen möchte.

Erfreulicher Weise ist die Suche nach Alternativen einfacher als bei facebook (Google Plus kommt ja nun auch nicht mehr wirklich in Frage). Bing ist eine gute Suchmaschine, Mailaccounts bieten andere auch. Nur für den Fall, dass es nötig werden sollte

Hier noch ein lesenswerter Artikel über die Arbeitsatmosphäre auf dem Google Campus.