Die Bar

„Wir gingen hin, weil wir dort alles bekamen. Wir gingen hin, wenn wir Durst hatten, versteht sich, aber auch wenn wir hungrig waren oder hundemüde. Wenn wir glücklich waren, gingen wir hin, um zu feiern, wenn wir traurig waren, um Trübsal zu blasen. Nach Hochzeiten und Begräbnissen gingen wir hin um unsere Nerven zu beruhigen, und vorher, um uns schnell Mut anzutrinken. Wir gingen hin, wenn wir nicht wussten, was wir brauchten, in der Hoffnung, jemand könnte es uns sagen. Wir gingen hin, wenn wir Liebe suchten oder Sex oder Ärger oder wenn jemand verschwunden war, denn früher oder später tauchte dort jeder auf.“

So wird im Prolog des Buches „Tender Bar“ von JR Moehringer die Bar beschrieben. Ich habe sie noch nicht gefunden. Ich suche noch, es ist nicht einfach. Nicht nur die Bar, auch ich muss etwas dafür geben.

Die Bar. Vielleicht sollte ich das nicht tun, aber ich kann nicht anders als hohe Anforderungen an die Einrichtung zu setzen. Sie soll opulent, aber nicht neu sein, im Gegenteil, vom Leben in diesem Raum gezeichnet. Ein Sessel beispielsweise, der zwar schon tausend und eine Nacht durchgemacht hat, und trotzdem noch steht. Ein Tresen, dunkel und schwer, Scharten im Holz. Dahinter Männer und Frauen, über Jahre die selben. Das Licht genau auf der scharfen Schneide zwischen hell und dunkel. Ich kann bei Musik nicht weghören, was die Sache nicht einfacher macht. Dolly Parton Platten vielleicht?

Ich. Doch es liegt auch an mir. Um diese Bar zu finden, muss man suchen. Jeden Abend eine andere ausprobieren, und wenn an damit fertig ist, noch mal von vorne. Viele Kompromisse machen, denn ohne geht es nicht (oder?). Und wenn man sie glaubt gefunden zu haben (Gibt es da draußen nicht vielleicht doch noch eine Bessere?), muss man wieder kommen, immer wieder. Genügt ein Mal in der Woche? Zwei Mal ist besser.

Und was dann? Vielleicht wird es langweilig, vielleicht ein zweites Zuhause, wer kann das schon wissen. Und wenn ich nun immer wieder einkehren, was macht die Bar dann mit mir? Hier wird es spannend, auch ein bisschen gefährlich.

Ich mach es mir einfach und denke, irgendwann findet die Bar mich.