Und die Jungen haben Europa gerettet.

Vor kurzem las ich auf süddeutsche.de einen Artikel, in dem einige Spanier ihre Situation beschreiben. Die Berichte erschüttern, obwohl man sich hier im sonnigen München nicht so richtig verstehen kann, was es bedeutet, wenn jeder zweite jugendliche und jeder dritte erwachsene Spanier keine Arbeit findet. Angesichts dieser Zahlen erscheint es im Land erstaunlich ruhig zu sein, und damit meine ich nicht nur Demonstrationen und Proteste. Unter diesen Bedingungen muss sich niemand für seine Arbeitslosigkeit schämen. Könnte diese erzwungene Erwerbslosigkeit nicht auch sehr viel Energie freisetzen?

Im Gespräch beschwerte sich ein Unternehmer über die Unfähigkeit der Regierung zur Hilfe. Ich frage mich dabei, wie diese aussehen soll. In den meisten Fällen scheinen mir Subventionen mehr Geldverbrennung als nachhaltige Wertschöpfung zu sein. Nein, ich denke nicht nur in Spanien, in ganz Europa müssen die – vor allem jungen – Menschen selbst tätig werden. Mit der freigesetzten Energie Produkte zu entwickeln und im eigenen Land herzustellen. Produkte, die Spaß machen, weil sie hochwertig sind und lange leben. Ein Siegel – Hecho de Indignados – könnte garantieren, dass es diese Erwartungen erfüllt. Wenn alle jungen Europäer auf dieses Siegel achten, könnte eine europaweite Solidarität entstehen.

Welche Rolle kann der Staat dabei spielen? Ich denke, dass er in Zeiten der Krise vor allem für eines sorgen sollte: Bezahlbaren Raum. Zum Leben, und zum Ausstellen. Wo Mangel herrscht, sollte der Staat die Bebauung brachliegender Flächen vorantreiben. Wo bewohnte Gebäude verfallen, sollte er die Modernisierung vorfinanzieren, die dann von den Heizeinsparungen rückfinanziert werden könnte. Außerdem könnten Start-Ups in den ersten Monaten bei den Mietkosten unter die Arme gegriffen werden, und in der Innenstadt Ausstellungsräume vergünstigt zur Verfügung stehen. So könnte auch dort wieder frisches Leben entstehen. Vielleicht würde dieses Konzept nicht nur Spanien, ja ganz Europa wieder auf die Beine bringen.