Lima en Perú #1

(Ungefähr) 22:00 Uhr Ortszeit verließ ich den Jorge Chávez International Airport von Lima. Etwa 1.000 Menschen empfingen mich am Ausgang, doch ich bahnte mir einen Weg an ihnen vorbei zum Taxistand. Ein junger asiatisch aussehender Fahrer gab die Adresse meines Apartmenthauses in sein Navi ein und wir fuhren los.

Mitte des letzten Jahrhunderts setzte in Lima eine Bevölkerungsexplosion ein. Im Jahr 1940 betrug die Einwohnerzahl noch 660.000. Etwa 70 Jahre später – 2007 – wurden 8.5 Millionen Einwohner gezählt. Besonders in den 80ern war der Zuzug gewaltig, unter anderem ausgelöst durch bewaffnete Konflikte in den Anden. Noch in den 90er Jahren war auch der Alltag in Lima von Angst vor Anschlägen bestimmt. Um den historischen relativ kleinen Stadtkern legten sich dicke Ringe von Vorstädten. Die nördlichen Vorstädte sind bewohnt von aus dem Norden des Landes, die Südlichen von aus dem Süden und die Östlichen von aus dem – wait for it – Osten des Landes stammenden Peruanern. Heute sind nur noch 12% der Einwohner seit mehr als zwei Generationen in Lima ansässig.

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Selbst zu dieser späten Stunde ging es chaotisch zu. Mehrmals widersetzte sich der Fahrer den Anweisungen des Navis (ich bin mir sicher, dass er meinen skeptischen Blick von der Seite bemerkt hat), um an die vor Kurzem wiedereröffnete Küstenstraße zu gelangen. Dort ging es dann schnell voran Richtung Miraflores.

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Da die Ausdehnung der Stadt  schnell von statten ging, waren die neuen Stadtteile lange Zeit nicht an die städtische Infrastruktur angebunden. In einigen Stadtteilen ist dies auch heute der Fall. Es mangelte an Strom- und Wasserleitungen. Supermärkte und Kinos ließen sich erst viel später dort nieder. So kann es passieren, dass man durch saubere nette Straßen gesäumt von Gebäuden aus der Kolonialzeit fährt und sich Minuten später in Gegenden bitterster Armut wiederfindet.

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Der Ausbau der Infrastruktur konnte mit diesem Tempo nicht mithalten. So fehlt nicht nur eine U-Bahn, die einer Stadt dieser Größe nicht schlecht zu Gesicht stehen würde, auch sind die Straßen – abgesehen von den Stadtautobahnen – sehr schmal geraten. Morgens und Abends stehen die Autos in den Gassen lange Schlange. Ein Glück, dass es die Combis gibt! Das sind bunt bemalte Mini-Vans, die jeden Tag die selben Straßen auf und abfahren. Ein Kassierer streckt den Kopf zum Fenster raus und ruft an der Straße Wartenden die Namen der Haltestellen zu, während der Fahrer beschäftigt ist, den Abstand zum Vordermann wenn nicht zu verringern, dann wenigstens konstant zu halten. Der Kassierer öffnet die Tür und wenn ein Fuß im Fahrzeug steht, geht die Fahrt auch schon weiter.

Beschleunigt wird der Wandel im Land durch den Wirtschaftsboom. Das Jahr 2010 stach hervor mit einem Wachstum von 8,9%, doch auch in den Jahren danach blieb dieser Wert konstant hoch bei 6,3%. Dies ist einer starken privaten Nachfrage und der Baubranche zu verdanken1. In Lima ist dieser Trend leicht zu erkennen, vor allem in Miraflores, einer Wohngegend der wachsenden Mittelschicht. Baukräne ziehen schicke Wohnhäuser mit Glasfronten aus dem Boden. Unwillkürlich denkt man an das Drama in Spanien, doch angeblich wird sich die Regierung Mühe geben, daraus zu lernen. Auch die Kreditvergabe ist anscheinend allzu locker2. Den richtigen Moment zum Eingreifen zu erwischen ist allerdings schwierig. Nach den Regierungs-, Wirtschaft- und Finanzkrisen in den 80er Jahren und der Inflation von 7000 % zu Beginn des Jahres 1990 ist die Euphorie über das Wirtschaftswachstum groß.

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Ausgerechnet Hunde sind zu einer Art Statussymbol geworden. Sie werden in bunte Pullover gestreckt und können in einer Anlage am Strand ihre Kunststücke üben. Gleich daneben führt eine Laufstrecke und ein Radweg vorbei – am Wochenende hochfrequentiert.

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Inka Cola wurde in Lima erfunden und seit 1935 gern getrunken. Der Name täuscht – mit Cola hat das Getränk nichts zu tun. Hauptbestandteil ist ein Zitronenstrauch. 1999 erwarb Coca Cola 50% Anteile an seinem Konkurrenten.3

Unspetakuläre Beobachtungen

  • Das Meer ist nah: Der Ventilator beschleunigt bei offener Tür wegen dem Luftzug; Brot wird nicht trocken, wenn es in der Küche rumliegt.
  • Im Supermarkt kann man riesige Sahnetorten kaufen. Vielleicht kann ich mal ein Foto machen.

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Muffin in Miami


  1. http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Peru/Wirtschaft_node.html 

  2. hat unsere Spanischlehrerin erzählt 

  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Inca_Kola