Die Sache mit dem Minimalismus

Als Meike Winnemuth von ihrer einjährigen Reise um die Welt heimkehrend in ihre Wohnung trat, stellte sie fest, dass diese übertrieben vielräumig und befüllt war.  Kurzerhand wurde sie veräußert und durch eine kleinere ersetzt.1 Viele Menschen kennen das ungute Gefühl, zu viel zu besitzen. Und viele Menschen beschleicht das gute Gefühl, gar nicht mal so viel zu brauchen. Oftmals – wie bei Sra. Winnemuth – bei der Heimkehr aus dem Urlaub. Bei mir war es die Erfahrung, auf dem Rücken alle notwendigen Dinge tragen zu können, um die Alpen zu überqueren. Dass man sich mit ein paar Kleidungsstücken an alle Wetterlagen anpassen kann. Wie gut es schmeckt, wenn die Mahlzeit einem nur nach Stunden der Anstrengung vorgesetzt wird. Auch gut: Zwei Wochen mit dem Rucksack unterwegs zu sein, und in keiner Sekunde etwas zu vermissen.2

Auch der technologische Fortschritt spielt dem Minimalismus in die Hände: Mit ein zwei Geräten in DIN A4 Block Größe ist einem das Werkzeug für die unterschiedlichsten Hobbys in die Hand gegeben. Texte schreiben, Musik machen, Fotos bearbeiten, Videos schneiden, man kann sich beschäftigen. Oder einfach was lesen, dann irgendwo draufklicken, und das dann anschauen. Wie gut, dass das Ding auch noch in den Rucksack passt.

Doch wäre nicht so einiges besser, wenn das Leben immer Urlaub wäre? Die Idee mit dem Minimalismus muss also erst einmal den Alltagstest bestehen, bevor hier irgendwas geht. Da stellt man fest, dass für so einige Hobbys, raffiniert Kochen und die meisten Bergsportarten nur mal aus der Luft gegriffen, eine große Anzahl von Hilfsmitteln und Zusatzwerkzeugen notwendig sind. Die liegen die meiste Zeit im Schrank, doch ohne sie geht es nun mal nicht. Um gleich bei den Schränken zu bleiben: Minimalismus in der Einrichtung bedeutet meist, gar keine zu besitzen. Stattdessen: Funktionale Möbel in weißer Farbe vor weißen Wänden. Schon klar, wenn ich Filme und Musik nur streame und Bücher auf den Reader lade, braucht es nicht mehr. Doch wird es nicht erst gemütlich, wenn überall was rumliegt? Bücher und Magazine und Filzstifte und Stoffreste (okay, das letzte war sehr konstruiert, ich hoffe, das geht klar).

Alltagstest  bestanden? Alles in allem, eher nicht. Was ist also Sache mit dem Minimalismus? Ich denke, es ist vor allem das Gefühl, zu wissen, dass man auch ohne den ganzen Kram klar kommt. Und das ist doch schon schön.


  1. Ziemlich gut gefallen hat mir auch die Geschichte mit Pauk Kalkbrenner, der seinen ganzen Besitz (darunter vier identische MacBooks, wenn ich mich richtig erinnere) in zwei Alurollkoffern transportiert. Darüber hinaus gäbe es zur Zeit einige Beispiele von Personen, die alles außer 100 Gegenstände verkaufen. 

  2. Außerdem: Wie befreiend es ist, den Inhalt einer Schublade um die Hälfte zu reduzieren.  

→ Elektro-Alien birgt hohes Risiko

Project i steht für einen radikalen Paradigmenwechsel: Motor hinten statt vorne, Elektroantrieb statt Diesel oder Benzin, zweiteilige Fahrzeugstruktur mit Drive-Modul aus Alu (Chassis) und Life-Modul aus Kohlefaser (Karosserie). Entsprechend ist die Anspannung überall im Konzern greifbar. Sorgen macht vor allem die Akzeptanz. Ist der Kunde wirklich schon bereit, rund 40.000 Euro in die neue Technologie zu investieren? Und wenn Ja, welche Stückzahlen wird der Markt in welchem Zeitraum abnehmen?

Mir imponiert es sehr, dass BMW in dieser Zeit, in der Meinungsmacher schon vom Ende des elektrischen Fahrens sprechen, und sich damit sehr vorbildlich an den Hype-Cycle halten,  der besagt, dass sich die Erwartungshaltung gegenüber einer neuen Technologie kurz vor ihrem Durchbruch stark südlich bewegt, auf niemanden wartet, Geld riskiert, um ein überzeugendes Produkt – laut diesem Testbericht – auf den Markt zu bringt. Ich hoffe, dieser Mut zahlt sich aus.