control – ein Film von Anton Corbijn

Die Wahrscheinlichkeit, dass control ein sehr guter Film ist, war sehr groß. Gedreht von einem berühmten 52 jährigen Porträtfotografen, der Ian Curtis am Anfang seiner Karriere selbst fotografiert hatte, in schwarz weiß. Die wahre Geschichte über den genialen Sänger von Joy Division, der sich im Alter von nur 23 Jahren das Leben nahm, liest sich schon in einem Satz spannend.

Zwangsläufig geht der Film der Frage nach dem Grund nach. Zum Glück sucht er aber keine einfache Antwort, sondern versucht dem Zuschauer die Situation darzustellen, in die sich Ian befördert und die er durch seinen Charakter weder lösen noch ertragen konnte. Da sind zum einen seine Naivität, die vor allem in den ersten Filmminuten dargestellt wird. Sein Wunsch nach Ruhm, aber dann doch nicht zu viel davon. Sein hoher Anspruch an sich selbst. Sein Kampf gegen die unbehandelbare Epilepsie.

Und die Frauen. Schon im Alter von 19 Jahren heiratet er seine Jugendliebe, doch die Routine und das frühe Kind treiben die beiden auseinander. Das wirft Ian in die Arme einer Journalistin, die durch ihre Rätselhaftigkeit, die ihm seine Ehe nicht gibt, anlockt und nicht mehr loslässt. Es ist wohl Ians Unvermögen, sich für eine der Frauen zu entscheiden, die ihn in den Tod treibt. Dementsprechend viel Spielzeit nimmt das Pendeln zwischen den beiden Frauen ein. Das zieht auf der Dauer ein wenig an den Nerven, vor allem nachdem Ian von Anfang an nicht als Sympathieträger eingeführt wurde und der Zuschauer eher mit den Frauen leidet.

Viele Passagen in der Entwicklung Ians vom rebellischen Poser zum melancholischen Star werden nur angeschnitten, oder gleich ausgelassen. Vor allem der Anfang ist im Zeitraffer, was schon fast belustigt. Seine Bandkollegen werden als einfältige Trottel dargestellt, ihre Leistung für die atmosphärische Gesangsbegleitung nicht gewürdigt.

Trotz seiner Schwächen hat mich der Film bewegt und die Musik von Joy Division nahe gebracht, denn die regelmäßigen Auftritte, die den Fernsehoriginalen perfekt nachempfunden sind, sind toll aufgenommen und fotografiert. Sie sind eine besondere Qualität des Films und haben bei mir für Gänsehaut gesorgt. Vor allem ihr erstes Livelied, noch unter dem Namen warsaw aufgeführt, beeindruckt. Zum Glück konnte ich den Namen ausfindig machen: